Abstract

 

Die Umweltgeschichte des Wintertourismus in den österreichischen Alpen ist bislang ungeschrieben. Mit einer Studie zur langfristigen Entwicklung des alpinen Wintertourismus ab den 1920er Jahren bis in die Gegenwart im westlichsten österreichischen Bundesland Vorarlberg werden erste Schritte gesetzt, um diese Lücke zu füllen. Wintertourismus hat tiefgreifende Auswirkungen auf alpine Landschaften sowie auf soziale und wirtschaftliche Strukturen in abgelegenen Tälern. Die Arbeit basiert auf unveröffentlichten Archivalien, insbesondere auf Karten, auf zeitgenössischen Zeitungen, auf Fachliteratur zur Tourismus-Infrastruktur, auf Werbematerial und auf Interviews mit Zeitzeugen. Ein geographisches Informationssystem (GIS) unterstützt die ortsbasierte interdisziplinäre Analyse. Mit Fallstudien zu Lech, Damüls und Schruns/Montafon werden regionale Unterschiede in der Entwicklung untersucht. Der Winter-Fremdenverkehr veränderte gesellschaftliche Strukturen in alpinen Dörfern tief greifend; insbesondere Machtstrukturen in den Dörfern wandelten sich beim Wechsel von Landwirtschaft zu Tourismus und dem Wachstum technologischer Systeme von kleinen zu großtechnologischen Systemen. In diesem Prozess veränderte sich auch die Wahrnehmung der Touristen für jene Landschaft, die für den Wintersport verändert worden war. Ökologische Auswirkungen und Wechselwirkungen zwischen menschlichen Körpern und der technisierten Natur sind zentral für eine Umweltgeschichte des Alpenraums, politische, soziale und wirtschaftliche Konsequenzen sind zu berücksichtigen. Die Studie beruht auf dem neuen Konzept der sozial-ökologischen Nische, das in einer früheren Arbeit zum alpinen Tourismus (Groß 2012) entwickelt wurde. Das Projekt wird Publikationen zur langfristigen Entwicklung des alpinen Ski-Tourismus in Vorarlberg erbringen. Das Projekt läuft 36 Monate und umfasst im Anschluss an die Erarbeitung der theoretischen Grundlagen Feldforschung in den Dörfern sowie eine Reihe von Archivaufenthalten in Bregenz, Lech, Schruns, Innsbruck und München.

 

The project is funded by the Austrian Science Fund FWF    

Project number: P 24278-G18