10. Minisymposium des Zentrums für Umweltgeschichte

Natürliche Dynamik und menschliche Nutzung von Flusslandschaften: 
Aspekte der Entwicklung der Donau im Machland/OÖ und der Traisen/NÖ 
seit dem 18. Jahrhundert

Gertrud Haidvogl, Severin Hohensinner, Sabine Preis
Institut für Hydrologie und Gewässermanagement, Universität für Bodenkultur Wien

Die historische Entwicklung der Wechselwirkungen zwischen der natürlichen Charakteristik und Dynamik von Flusslandschaften und deren menschlicher Nutzung kann aus verschiedensten Perspektiven betrachtet werden. Im Rahmen dieses Vortrages steht ein ökologischer Ansatz im Mittelpunkt.

Anhand des Beispiels der oberösterreichischen Donau im Machland werden Analysen zur natürlichen morphologischen Dynamik im 18. und 19. Jahrhundert vorgestellt und darauf aufbauend die Veränderungen durch Regulierung und Kraftwerksbau untersucht. Als Datengrundlage dienten auf detaillierten Vermessungen basierende Karten, die mit Hilfe von computergestützten Verfahren ausgewertet wurden. Die Analyse von historischen Quellen liefert vor allem für große Flüsse, deren natürliche Charakteristik heute durch vielfache Eingriffe meist vollkommen verändert ist, wertvolle Erkenntnisse über natürliche hydrologische und morphologische Prozesse.

Weiters wird im Rahmen des Vortrags die Entwicklung der Landnutzung im natürlichen Überflutungsgebiet von Flüssen dargestellt. Als erstes Fallbeispiel dient ebenfalls die Donau im Machland. Hier wurde die Änderung der Landnutzung und deren Anpassung an die natürlichen Verhältnisse im Überflutungsraum für die Zeitpunkte 1830, 1870 und 2000 mit Hilfe von GIS analysiert. Weiters wurde untersucht, wie die natürliche Dynamik der Donau die Landnutzung beeinflusste und welche Veränderungen sich durch die, in diesem Abschnitt zwischen 1832 und 1859 erfolgte, Regulierung der Donau ergaben.

Schließlich wird die Entwicklung der Landnutzung in drei ausgewählten Gemeinden (Lilienfeld, St. Pölten und Pottenbrunn) entlang der Traisen, einem rechtsufrigen Donauzubringer in NÖ, dargestellt. Die Ergebnisse zeigen, dass der Beginn der Siedlungstätigkeit in Überflutungsräumen sowohl mit den natürlichen, topographischen Verhältnissen als auch mit der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung einer Region in Zusammenhang steht. Einen wesentlichen Einfluss hatten darüber hinaus Hochwasserschutzmaßnahmen, die vor allem im städtischen Raum eine nahezu vollständige Verbauung der Überflutungsräume förderten. Als Folge wurde die natürliche Habitatvielfalt der Flusslandschaften vollkommen verändert und die natürlichen morphologischen Prozesse unterbunden.


Ort: IFF, Schottenfeldgasse 29, 1070 Wien, Seminarraum, 4c, 4. Stock
Zeit: Mittwoch, 11. Jänner 2006, 18:00 - 20:00